„Ethische Investments als Business Case“

Geschrieben von am 14. Juni 2010


In ethisch einwandfreie Aktien und Fonds investieren. Bisher eine beschränkte Sache, bald ein Trend? Interview mit Professor Josef Wieland…


Können ethische Investments so etwas wie Gerechtigkeit herstellen? Die Idee ist gut und richtig. Nur die Frage Wie ist noch nicht wirklich geklärt.

Welche moralischen Standards fehlen, damit „Social Responsible Investing“ (SRI) mehr ist als nur ein Feigenblatt von Banken, Beratungen oder Konzernen?

Ex-UN Generalsekretär Kofi Annan hat ganze 20 Milliarden Dollar zusammengebracht, mit denen unter anderem auch soziales Unternehmertum finanziert werden sollen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=eaJ9MxLG_tE

Etwa Kleinstunternehmen, die sich darum kümmern, Hartz4-Empfänger soweit sozial und hinsichtlich ihrer Qualifikationen fit zu machen, dass sie diese Unterstützung nicht mehr nötig haben.

Es geht also nicht nur um das Investieren in Unternehmensgründungen, sondern um die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung. Zum Beispiel das Vergeben von Mikrokrediten, Hilfen zur Selbsthilfe. In Großbritannien wird sogar überlegt, dies über vielfach gescholtene Hedge-Fonds abzuwickeln.

Der Sozialstaat kann nicht mehr alle Probleme der Gesellschaft lösen.

Soziales Kapital schaffen. So steht es in den Leitbildern aller Großbanken. Widersprechen sich ethische Geldanlage und profitorientiertes Denken nicht?

Eindeutig: Nein. In der ökonomischen Logik sind große Teile Asiens, Afrikas und Südamerikas keine Armenhäuser, sondern zu entwickelnde Investitions- und Konsummärkte. Wie kann man diese Länder in den Markt holen?

Zum Beispiel durch das Angebot von Mikro-Versicherungen für Menschen, die sich keine westlichen Standards genügende Versicherung leisten können. Die kosten dann eben 50 Cent. Da geht es dann auch um eine echte Entwicklung der Ökonomie:

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Die Deutsche Bank & Co haben eine ganze Reihe von Benchmarks, zertifiziert von Rating-Agenturen. Klingt gut für den Privatkunden Wo ist das Problem?

Es gibt bisher keine überzeugende Zahlen, weder allgemein akzeptierte Standards noch einheitlich definierte Kriterien, mit der man „Nachhaltigkeit“ als Erfolgskennzahl messen kann. Was wir fördern müssen, ist die Forschung zu diesem Zusammenhang.

Wir brauchen mehr als nur Plausibilitätskriterien.

Warum engagieren sich Ihrer Meinung nach so viele Banken im Bereich ethische Investments?

Ich vermute, da geht es häufig weniger um den „Business Case“ als um das Thema der Reputation der Banken und der Finanzmärke, einem „Branding“ des Guten, vor allem in Angesicht nach der Krise. Mir geht wesentlich um Ersteres. Also nicht nur darum, den UN Global Compact oder sonst eine Deklaration zu unterschreiben.

Die Banken werden vom Kunden an ihren Produkten gemessen, nicht ihren Leitbildern. Das gilt global und regional. In welche Fonds wird investiert? Was ist mit Energie- und Wasser? Gibt es Kredite für sozial Schwache? Wie wird die Tafelbewegung unterstützt? Das will die Gesellschaft sehen.

Bis dahin bleibt SRI eine Kommunikationsstrategie, zum Beispiel von der Dresdner Bank:

Machen wir das an einem Begriff fest. Was heißt Nachhaltigkeit für Sie?

Jedenfalls mehr als die Kontinuität des Geschäfts. Das wäre nur der Teil der Ökonomie, einseitig ohne die ökologische und gesellschaftliche Komponente. Es geht um die Ermöglichung von gesellschaftlichem Wohlstand. Banken sind das Rückgrat unserer Gesellschaft, und dafür sind sie häufig noch viel zu passiv.

Manche Institute engagieren sich auch heute schon mutig, die Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit ihrem regionalen Förderauftrag. Aber wir sollten mehr auf das Entwickeln von Nachhaltigkeit vor der eigenen Haustür achten.

Ich erinnere mich an ein Gespräch, das ich vor etwa 15 Jahren mit Verantwortlichen der City-Bank in New York hatte. Wie andere Banken hat auch sie ihre Filialen in den New Yorker Szenevierteln, der Bronx und Brooklyn nicht aufgeben.

Eine Bank kann das einfach nicht. Also vergaben Sie Kredite für soziale Wohnprojekte und stellten mehr Azubis ein. Ihnen ging es darum, die gesellschaftliche Stabilität zu fördern, indem sie neue Mitarbeiter und Kunden gewinnen.

Ich denke, dies ist ein gutes Beispiel für nachhaltiges Investment.

Josef Wieland ist Professor für Allgemeine BWL mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsethik an der Fachhochschule Konstanz. Für den Direktor des Instituts für Werte-Management ist Moral die Visitenkarte eines jeden Unternehmens.

Er hat ein Buch über Compliance-Management herausgegeben: Konzeptionelle Grundlagen, praktische Erfolgsfaktoren, globale Herausforderungen (Erich Schmidt Verlag).

Sichtweise! Jan Thomas Otte will nach diesen Recherchen ethische, moralisch einwandfreie Investments kaufen. Eine “Win-Win”-Situation, wie er findet. Ein besseres Gewissen und etwas Rendite auf dem Konto…

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