Generationen: KnowHow-Transfer mit Oma & Opa
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Junge und ältere Menschen begegnen sich im Alltag sowohl zufällig als auch absichtlich. Werden solche Begegnungen initiiert, verlaufen sie meist positiv. Etwa wenn eine Schülergruppe ein Seniorenheim besucht. Anders, wenn Jung und Alt zufällig aufeinander treffen. Oft vorschnell stecken sich Junge und Alte in Schubladen, gegenseitig. Faule Kompromisse nützen nichts. Was nun? Ein Rundgang durch Mehrgenerationen-Häuser und den ganz normalen Alltag. Von Jan Thomas Otte…
Ihre Tasche kann Oma Hilde noch selbst tragen. Statt bissiger Bemerkungen wie „Was will die Alte denn hier?“ kommt in ihrem Umfeld, beim Bäcker zum Beispiel, nur ein „Ach, wie cool, die Hilde ist wieder da“. Ältere Menschen wie Hilde sind heute aktiver und flexibler, junge Menschen selbstbewusster und unabhängiger.
Das sorgt für Konflikte, aber auch ein paar Lichtblicke. Die Distanz zwischen Jung und Alt wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Aber Hinschauen, echtes Interesse zeigen, sich bereichern lassen vom Anderen und Zivilcourage zeigen wird helfen.
Generationen-Konflikte so alt wie die Menschheit selbst
Bereits in der Bibel gab es jede Menge Stress zwischen den Generationen. Liest man die ersten Bücher Moses, begegnen einem viele Streitigkeiten um Anerkennung, Land und Liebe. Dieses Thema ist so alt wie die Menschheit selbst. Bereits ein Zitat aus dem alten Ägypten vor rund 3000 Jahren beschreibt die Kraftprobe zwischen Jung und Alt:
„Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegenüber althergebrachten Werten“. Der viel zitierte Generationenkonflikt hat also eine lange Tradition. Nur die Symptome haben sich geändert.
Psychologie des Altwerdens, Betriebswirtschaft des Wissens
Gerontologen an der Universität Heidelberg beschäftigen sich mit dem Älterwerden. Sie haben den „Paradigmenwechsel“ in der Demographie Deutschlands vorausgesagt. Bisher gab es in der Republik weder so viele alte Menschen noch so geringe Geburten. „Im Vergleich zu 1960 ist die Geburtenrate um rund die Hälfte gesunken“.
So erklärt das ein Professor für Gerontologie, an der Universität Heidelberg. Der Wissenschaftler für Psychologie des Alterns, Hans-Werner Wahl fordert auf Kirchentagen und in Fachbüchern ein „Umcodieren in den Köpfen“ der Gesellschaft. Doch das ist natürlich leichter gesagt als getan, weiß auch Oma Hilde.
Alterspyramide kippt, ein Drittel Rentner (2050)
Seit der Wiedervereinigung 1989 leben im Land mehr über 65jährige als unter 15jährige, nach Angaben des statistischen Bundesamts. Nach dem Zweiten Weltkrieg ,1950 waren es doppelt so viele Jüngere im Vergleich zu den Älteren. Für das Jahr 2050 prognostizieren die Gerontologen ein Drittel der Gesamtbevölkerung über 65 Jahre, unter 15 werden nur noch 11 Prozent sein.
Die Probleme unserer alternden Gesellschaft werden zunehmend spürbar. Das betrifft nicht nur die Themen Rentengarantie, Arbeitslosigkeit, oder Pflegeversicherungen. Soziale Probleme wie aufgelöste Familienstrukturen, Parallelgesellschaften von Alt und Jung oder das einsame Sterben im Altersheim würde schnell unter den Tisch gekehrt, kritisiert die 80jährige Hilde. Nicht aktuell beim Gerichtsurteil zur Sterbehilfe. Aber sonst.
Unsichere Job-Aussichten für Jugendliche, Wirtschaftswunder Geschichte
Im Vergleich zu Nachkriegsgeneration, dem Wirtschaftswunder, ist der soziale Aufstieg, die Jobsuche für Jugendliche schwieriger geworden. Nur wenigen gelingt es, im globalisierten Verdrängungswettbewerb Karriere zu machen, erklärt eine Sozialarbeiterin der Diakonie in Karlsruhe. Eines aber gelte genauso wie gestern:
„Wer seine Zukunft dem Gutdünken überlässt, diese nicht aktiv gestaltet, hat auch keine Möglichkeit sie zu verbessern“, sagt sie. Jeder von uns altere. Ob in Würde und die Frage, ob Lasten entsprechend gerecht verteilt seien, entscheiden ganz alleine wir. Jüngere wie Ältere.
Abgrenzung, Respekt und echtes Interesse gefragt
In generationsübergreifenden Projekten wie dem KOJALA, einem Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung an der Universität Ulm, soll ein Wissensaustausch über Altersgrenzen hinweg gefördert werden. Währenddessen beschweren sich Studierende im normalen Uni-Alltag häufiger über „weggenommene“ Sitzplätze durch wachsende Gruppen von Gasthörern im Rentenalter.
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Die Gesellschaft altert, na und? Im Wahlkampf als zu mobilisierende Wähler heiß umworben, sind ältere Menschen heute aktiver und flexibler denn je, während „die Jungen“ immer selbstbewusster und unabhängiger werden. Gleichzeitig werden die Probleme unserer alternden Gesellschaft zunehmend spürbar – und das betrifft nicht nur die Themen Rente, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Pflege. Von Vorurteilen zwischen Jung und Alt sowie der nötigen Erkenntnis, dass es ja eh nur gemeinsam geht…