Burnout: Hamsterrad, Handbremse, Depression

Geschrieben von am 30. August 2010

Was raten Sie Lehrern um mit der Belastung um zu gehen?

Da wäre ein erster Rat schon vor der Entscheidung für den Beruf angebracht. Er würde etwa wie folgt lauten: Eine gelingende Beziehungsgestaltung ist das A und O pädagogischer Arbeit. Prüfe dich, ob es dir Freude macht, tagtäglich mit Kindern oder Jugendlichen zusammen zu sein und ob du auch das nötige Geschick mitbringst, um den kommunikativen Anforderungen des Berufs gerecht zu werden.

Für die dann folgende Berufstätigkeit halte ich vor allem zwei Empfehlungen für wichtig: Erstens: Setze dir berufliche Ziele, sie schützen dich davor, mit der Zeit in lustlose Routine zu verfallen. Aber setze die Ziele so, dass sie auch angesichts einer schwierigen Berufsrealität erreichbar sind. Hüte dich vor übersteigerten und perfektionistischen Ansprüchen.

Zweitens: Sorge für angemessenen Ausgleich, die Schule sollte nie das Einzige in deinem Leben sein. Und bewahre dir vor allem deinen Humor. Er wird dir helfen, nicht jede Panne gleich als Katastrophe zu erle-ben, sondern als eine Herausforderung an deine Tatkraft und Kreativität.

Das Gesagte richtet sich an die einzelnen Lehrerinnen und Lehrer. Unsere Ergebnisse lassen aber auch klar erkennen, dass das Kollegium im Ganzen viel zur Belastungsbewältigung tun kann. Entscheidend ist offensichtlich, dass die Lehrkräfte und die Schulleitung an einem Strang ziehen und an einem guten sozialen Klima arbeiten.

Darunter sei vor allem verstanden, dass die Beziehungen durch Offenheit, Interesse füreinander und gegenseitige Unterstützung gekennzeichnet sind und eine Schulkultur besteht, die ein hohes Maß an Gemeinsamkeit bei der Durchsetzung schulischer Normen und Ziele aufweist.

Dem daraus resultierenden Erleben sozialer Unterstützung ist offensichtlich eine sehr wichtige protektive Funktion zuzuschreiben, d.h. es trägt dazu bei, auch die Wirkung belastender Faktoren des Arbeitsalltags abzupuffern. Aber auch über die sozialen Beziehungen hinaus lassen sich weitere Arbeitsbedingungen durch gemeinsame Anstrengungen von Kollegium und Leitung zum Besseren verändern.

Um die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen zu veranlassen und zu befähigen, sich mit der Gestaltung ihres schuli-schen Alltags zu befassen, stellen wir interessierten Schulen das Unterstützungsprogramm Denkanstöße! zur Verfügung.

Dieses Programm ermöglicht Lehrerinnen und Lehrern die intensive Auseinandersetzung mit der persönlichen und der schulischen Situation und führt zu einer Standortbestimmung, die sowohl Belastungen und Veränderungsbedarf als auch auch vorhandene Ressourcen und Lösungsmöglichkeiten aufzeigt.

Was könnte die Politik tun um Lehrer besser zu unterstützen?

Da kritische Beanspruchungsverhältnisse übergreifend für die gesamte Lehrerschaft vorliegen, bedarf es auch grundlegender Veränderungen in den Rahmenbedingungen. Drei Aufgaben sollten dabei m. E. im Vordergrund stehen.

  1. Erstens ist der verbreiteten Überforderung der Lehrerinnen und Lehrer durch eine Fülle oftmals kaum bewältigbarer erzieherischer Aufgaben entgegenzuwirken. Die Lehrkräfte dürfen mit den komplexer und schwieriger gewordenen Anforderungen in diesem Bereich nicht allein gelassen werden.Sie brauchen hier wirksame Unterstützung von verschiedensten Seiten der Gesellschaft, insbesondere der Politik. Eine sich unmittelbar im Lehreralltag niederschlagende Konsequenz wäre die Verringerung der durchschnitt-lichen Klassengrößen, eine weitere die verstärkte Mitarbeit von Schulpsychologen, Sozialpädagogen und Sozialarbeitern an den Schulen.
  2. Zweitens muss es darum gehen, den Druck auf die Lehrerschaft zu verringern, der durch ständig neue Forderungen, permanente Veränderungen und immer wiederkehrende Kampagnen in unserem Bil-dungssystem verursacht wird. Pädagogische Arbeit braucht auch Kontinuität, Ruhe und Muße.Es ist dieser Punkt auch ein Beispiel dafür, dass nicht alles, was an Veränderungen notwendig ist, mehr finanzielle Aufwendung bedeutet. Mit dem überlegteren und behutsameren Einsatz von Reformen dürfte sich sogar erhebliches Sparpotential ergeben.
  3. Drittens gilt es, an allen Schulen zumutbare Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte zu schaffen. Hier ist vor allem der längst fällige persönliche Lehrerarbeitsplatz zu fordern. Erst wenn für jede Lehrkraft ein Arbeits- und Rückzugsraum zur Verfügung steht, wird auch ein angemessener Wechsel von be- und ent-lastenden Phasen während des Unterrichtstages möglich sein.Auch kann erst dann ein größerer Teil der Unterrichtsvorbereitung und nachbereitung an der Schule erledigt und damit eine deutliche Entlastung der Abende und des Wochenendes erzielt werden. Nur so ist die klarere Trennung der Lebensbereiche Schule – Nicht-Schule möglich, die eine entscheidende Voraussetzung für mehr psychische Erholung ist.

Sichtweise! Christian Gregor Landwehr schaute beim Recherchieren und Tippen dieses Artikels nicht auf die Uhr. Weil ihm sein Job Spaß macht, meistens. Und hoffentlich ohne Burn-Out…

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7 Kommentare

  • Ein Burnout ist nicht plötzlich da, es kommt langsam. Es ist ein Prozess, oft wird die Diagnose erst recht spät gestellt. Welche Erfahrungen habt ihr schon gemacht?

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