Fluktuation: “Staffing” gegen Stuhlbeinsägen
Für einen Fallstudien-Wettbewerb ließ ich meine Diplomarbeit gerne einen Tag lang ruhen.
Beim Event “One Day in Management Consulting” knackte ich einen Case…
Und lernte dabei wichtige Berater-Regeln kennen. Zum Beispiel: “Ellenbogen einklappen”. Ego-Bericht von Jan Thomas Otte.
Freitagmorgen, acht Uhr, minus ein Grad. Ich fahre zum Campus Kronberg, dem Deutschlandsitz von Accenture, einem der weltweit größten Beratungsunternehmen.
Zwei Anzugträger sitzen mit mir im Taxi, ich stelle mich kurz vor, ein Händeschütteln. Heute ist “Office Day”, wie es bei Beratern heißt. Während meine ID-Karte am Empfang gedruckt wird, überprüfe ich meinen Krawattenknoten im Spiegel und begrüße die ersten Mitbewerber.
Im Konferenzraum angekommen, blicke ich auf eine jahrhundertealte Eiche vorm Fenster, die Skyline von “Mainhattan” in der Ferne. Was passiert jetzt hier in der Zentrale für Deutschland, Österreich und die Schweiz?
Staffing, Routine?
Das Eis wird gebrochen, mit Latte Macchiato. Unternehmen und Teilnehmer stellen sich vor. Dann folgt ein Mix unterschiedlicher Gruppenarbeiten, Tests und Präsentationen. Dazwischen gibt es Häppchen, Snacks und Süßes. Die Veranstaltung dauerte von 9 bis 17 Uhr – im Beraterleben wird mein Tag wohl länger dauern, denke ich.
Die Atmosphäre scheint recht locker zu sein, zumindest wirken die meisten Mitbewerber so. Einige überspielen ihre Aufregung vielleicht. Routine? Die gebe es in diesem Geschäft kaum, bestätigt Berater Rouven. Die Zusammensetzung von Team und Thema, das “Staffing” wie ich lerne, wird immer wieder anders sein.
httpv://www.youtube.com/watch?v=HvK2RBNjeLc
Eins ist aber immer angesagt: “Ellenbogen bitte einklappen”, rät Personalerin Mischa. Sie fügt die Bitte hinzu, auch an keinen Stuhlbeinen zu sägen.
Die Berater wirken auf mich als würden sie diesen Anspruch an Teamwork nicht nur predigen. Sie setzen ihn auch im Berufsalltag um, sagt mir einer der Berater. Das beeindruckt mich. Inhaltlich geht es um Probleme eines fiktiven Versicherungskonzerns.
Strategie, Zukunft?
Wir beschäftigen uns vor allem mit diesen Fragen: Durch welche Strategie kann das Unternehmen seine Fluktuation in den Griff bekommen? Wie kann es seinen Gewinn steigern? Wo gibt es Verbesserungsmöglichkeiten im Personalwesen? Unterstützt werden wir im Team von erfahrenen Beratern, später auch Partnern von Accenture.
Sie halten sich aber im Hintergrund, nicken mit dem Kopf oder runzeln die Stirn. Am Ende des Tages stehen die Sieger des Wettbewerbs um einen iPod touch fest. Gruppe blau gewinnt. Manche haben kommende Woche ein Jobangebot in der Tasche, einige sogar vor ihrem Studienabschluss.
Sozialwesen, Herkunft?
Was für Backgrounds haben die anderen Bewerber, was studieren sie? Natürlich sind viele BWLer gekommen. Psychologen sind auch einige dabei. Aber auch “Exoten”, zumindest einer pro Gruppe.
Der Berater in meinem Telefoninterview zuvor hat übrigens Wirtschaftspädagogik studiert, sein Chef habe auch im Sozialwesen gearbeitet. Nach meiner Einschätzung sind 80 Prozent beim Knacken von Cases Menschenverstand, 20 Prozent Fachwissen. Der Frauenanteil war übrigens überraschend hoch, nämlich ziemlich genau die Hälfte.
Beim Event habe ich entdeckt, was hinter dem Begriff “Talent & Organisation Performance” steckt. Besonders spannend fand ich die Lebensläufe der Führungskräfte.
Natürlich warben die Mitarbeiter auf der Veranstaltung für Accenture, standen aber auch kritischen Fragen Rede und Antwort. Bei mir waren das zum Beispiel die Begriffe “Work-Life-Balance” und “Teamwork”: Was steckt wirklich dahinter? Mir hat gefallen, dass es mehr um Inhalte als um Selbstvermarktung ging. Und ein paar Extras.
Aus dem Bericht bei E-Fellows: “Teamplay statt Ellenbogen”.


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