Recruiting: Strategieberater auf ein Gläschen Wein.
Wer beim Recruiting unter den besten Köpfen wählen können möchte, muss sich im Hochschul-Marketing schon was einfallen lassen.
Vor allem wenn es um die nächste Generation der Management-Berater, Anfang 20 geht…
Vertriebs-Strategien, Verbesserungs-Potenziale
Marken-Positionierung, Umsatz-Steigerung
Teamwork-Rahmen, PowerPoint-Präsentationen
Bürostuhl-Akrobaten, Zahlen-Füchse
Das Hochschulmarketing der Consultants, Prädikate von exzellent bis besonders wertvoll kamen gut an. Die manchmal doch recht graue Theorie an der Uni, der wachsende Bücherberg von der letzten Seminararbeit auf dem heimischen Schreibtisch, die erhoffte Anerkennung vom Professor im Hiwi-Job:
Nicht selten wünscht man sich da als Akademiker und Bürostuhl-Akrobat eine Ablenkung, etwas in der Praxis bewirken zu können. Und umso häufiger wünscht man sich ein Topgehalt, das jenseits von BAföG-Anträgen und Stipendien-Bewerbungen liegt.
Erfolgs-Werte, Steile Lernkurve
Besonders kompetitive Unternehmen wie McKinsey, Booz, Accenture oder Roland Berger wetteifern auf Campus-Karrieremessen um die besten Köpfe. Sie locken mit hohen Einstiegsgehältern, Sterne-Hotels, Business Class und einer teils religiös anmutenden Wertegemeinschaft, frei nach dem Motto: „Hast du was, bist du was“. Kritiker, darunter Ex-McKinsey-Chef Jürgen Kluge, nennen das die Ideologie der „Insecure Overachievers“. Jung und erfolgreich nach außen, aber noch recht unsicher im Umgang mit sich selbst.
Elitäres Recruiting, Auswahl-Mythen
Während der Abendessen, den Busfahrten und Spaziergängen vom Hotel zu den Arbeitsräumen, schien es nur ein wirklich brennendes Thema zu geben: Wie schafft man es im Rahmen des Auswahlprozesses unter die besten ein Prozent?
Der Deutschland-Chef der Beratungsgesellschaft war ebenfalls einen Abend zu Besuch und erklärte am Lagerfeuer, warum dem Unternehmen anspruchsvolles Recruiting so wichtig sei und was ein neuer Berater mitbringen müsse, um bei ihnen erfolgreich zu sein.
Netzwerken, Leistungsanreize
Kurz und präzise lautet die Devise etwa so: „work hard, party hard“. Mit Letzterem ging es in den Abendstunden weiter. Beim Rahmenprogramm des Workshops war Wein ebenfalls Thema. Bei einer Weinprobe wurden auch studentische Biertrinker zum Kenner diverser Rebsorten.
Und auf einer Schnitzeljagd wurde die Weinregion Wachau näher erkundet. Finaler Abschluss war ein Buffet über den Dächern und Weinbergen Wiens. Der Workshop bot in vordergründig entspannter Atmosphäre eine hervorragende Chance zum Netzwerken und Gelegenheit, mehr über das Beratungshaus und die Köpfe, die es lenken, zu erfahren.
Macher-Mentalität, Zukunfts-Pläne
Natürlich verläuft so eine Veranstaltung nicht ohne Werbeblöcke. Aber die Berater selbst, von der Personalabteilung entsprechend ausgewählt, standen auch kritischen Fragen zum Berateralltag (gut vorbereitet) Rede und Antwort.
„Hier kann man seine Zukunftspläne konkretisieren“, sagten die einen. Andere lobten es, dabei noch nette und engagierte Leute zu treffen, die etwas aus ihrem Leben machen, eine echte „Can-Do-Attitude“ zeigen.
Top-Down, Bottom-Up im Business
Wer zur Elite zählen möchte, muss sich jedoch einer Sache klar sein: Es durch das Nadelöhr der ersten Selektion zu schaffen, ist eine Sache, sich auch auf Dauer unter all den Auserwählten zu behaupten, eine andere.
In diesem Business nämlich gilt das ungeschriebene Gesetz: „grow or go, up or out“. Und ein Grundsatz aus dem Biologie-Unterricht: „survival of the fittest“. Beim Wein verhält sich das etwas anders. Hat mehr Zeit zum Reifen.
Jan Thomas Otte schreibt gelegentlich “Hamsterrad”-Kolumnen für Perspektive Mittelstand. Alles zum Thema zwischen Work-Life und Burn-Out für die High Potentials.



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