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Web Zwei-Nuller: SocialNet, SecondLife, WorkLife?
„Wenn ich dich Google, weiß ich, wer du bist und was du wert bist.”
Arbeitgeber nennen das gerne Personalisierung, Kritiker hingegen den Beginn des „gläsernen Menschen“…
Zu welchem Urteil man jedoch auch immer kommen mag – eins steht außer Frage: Die Gefahr, im Social Network weniger wichtig zu werden, wird größer…
Wünschen Sie sich ein besseres Leben? Ein bunteres? Eins, das spannender ist? Online, im Internet, ist das schon seit Jahren kein Problem mehr.
Dabei ist es doch die Kunst, sich selbst so anzunehmen wie man eigentlich von Gott geschaffen wurde. In einer virtuellen Parallelwelt zwischen Märchenfigur und realem Charakter trumpft aber das Ablenken über das Annehmen seiner selbst.
Kreativität für die „User“ unbegrenzt
Ob gleich das Rollenspiel „SecondLife“ mit seinen Avataren oder lieber die vielen Social Networks, die Facebooks, XINGs und Linkedins.
Ob das Orientieren am Spaß, das Kompensieren von Minderwertigkeitsgefühlen oder dem Maximieren des Nutzens, der eigenen Karriere: Mehr als fünf Millionen Nutzer schlüpfen in neue Rollen.
Sich neu erfinden, interessante Leute treffen
Bestätigung durch Zugehörigkeit erfahren. Das sagen die Gründer des globalen Dorfs. Die Medien bestärken den Trend zu mehr Online. Titelte die Süddeutsche Zeitung vor Jahren noch mit dem „Digitalen Wahnsinn“, schreibt der Spiegel 2009: „Ideal digital“.
Dass ich mein Profil beliebig verändern kann, das reizt mich natürlich. Sogar soweit: Würden Sie bei sich etwas retuschieren?
Wunsch, jemand anders zu sein
Ich frage mich dabei: Was treibt Menschen dazu, in eine fremde, digitale Haut zu schlüpfen? Das kann ich doch auch so haben. Live, direkt, authentisch – statt verheddert im Netz . Auch das Business bleibt lokal! Allein wegen der höheren Sozialkompetenz, dem analogen „Small Talk“ oder sagen wir doch lieber: Menschenkenntnis. Denn die wird weiterhin offline erworben, ohne sich mit seiner Person per Webcam und Profil in Szene zu setzen.
Online, Offline, dazwischen?
Vor der Welt da draußen, sei sie virtuell oder real, darf man seine Augen trotzdem nicht verschließen. Menschen müssen wettbewerbsfähig sein, sagt die Logik der Märkte.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat ihren Preis. Auch alteingesessene Freunde des Briefmarkensammelns und Postkartenverschickens müssen sich nun auf härtere Zeiten einstellen. Digitales Austauschen von Interessen, das Suchen und Finden neuer Projekte macht ökonomisch gesehen Sinn. Theologisch gesprochen aber schafft es diesen niemals allein aus materiellen Dingen.
Sprach-Barrieren trotz World-Wide-Web
Auch für Internet-Ungläubige gibt es ein Trostpflaster: Kaum jemand wird einfach so bei Google, oder geben wir Microsoft mit Bing eine ernsthafte Chance, auf Mexikanisch Begriffe eingeben und damit den langersehnten Schritt ins Ausland antreten.
Die „Selbstinszenierung im Cyberspace“, ihre Potentiale digitalisierter Identitäten im Internet, lautet ein Projekt von mir an der Universität Heidelberg.
Fazit: Digital im Büro, analog im Kopf
Am Fließband erledigt der Computer bereits stupidere Arbeiten, übernehmen Sensoren die Aufgaben der Synapsen im menschlichen Hirn.
Wie auch immer. Mausclicke ums eigene Profil sind nicht schlimm. Aber die Richtung muss stimmen. Vom SocialNet zum WorkLife. Auf ins neue, bessere Leben!
Jan Thomas Otte schreibt gelegentlich “Hamsterrad”-Kolumnen für Perspektive Mittelstand. Alles zum Thema zwischen Work-Life und Burn-Out für die High Potentials.
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