Gott, Geld, Gewissen: Mönch oder Manager?
Der Benediktinermönch und der Spitzenmanager gehen ins Gespräch. Grundthemen unserer Welt, die sie nicht ruhen lassen und die uns alle betreffen…
Erfolg und Verantwortung, Wirtschaft und Wohlstand, Kultur und Werte – über Gott, Geld und Gewissen. Beide haben eine gemeinsame Vision für eine bessere Welt und beide sind bereits auf dem Weg, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, meint der Verlag.
Das Handelsblatt kommentiert: Mönch und Manager zeigen im täglichen Leben, dass sie auch umsetzen, über was sie hier schreiben. Wirtschaftsethik nicht nur grundsätzlich, sondern auch angewandt. Klasse!
Der prominente Benediktinerpater Anselm Grün aus der Abtei Münsterschwarzach fastet jedes Jahr, auch außerhalb der Passionszeit: „Mir ist das Fasten wichtig, damit ich mich innerlich wieder in Ordnung bringe.“
Der Pater nutzt die Zeit, seine Essgewohnheiten neu zu regulieren, um damit den Körper von giftigen Schlacken zu reinigen. Die wichtigste Bedeutung für den Schriftsteller ist aber, dass er „innerlich wieder wach wird, eine neue Offenheit für den Augenblick bekommt und Gottes heilende Gegenwart findet“.
Fasten ist für Anselm Grün ein Weg zur inneren Freiheit: „Es erzeugt Lust, selber zu leben, statt gelebt zu werden.“
Genau das erlebte auch Puma-Chef Jochen Zeitz während eines Klosteraufenthaltes in der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach. Zwei außergewöhnliche Führungspersönlichkeiten aus so unterschiedlichen Welten wie Klausur und Topmanagement treffen aufeinander.
Nun steht ihr Buch. Ein anregendes Buch, das nicht nur die persönliche Sicht und Erfahrungen des Mönchs und des Managers zeigt, sondern dazu anregt, eine Welt zu schaffen, die lebenswert bleibt. Geld verdienen heißt es, ist dem Menschen dienen.
Coachen, Menschen dienen – auch ohne Geld
Aselm Grün ist als Cellerar der Abtei Münsterschwarzach verantwortlich für die wirtschaftliche Entwicklung und die Finanzen seines Klosters .
Siehe ein Porträt von ihm auf Karriere-Einsichten sowie ein Interview mit dem ZDF über Wachstum. Jochen Zeitz war Deutschlands jüngster Vorstandsvorsitzender eines börsennotierten Unternehmens und ist seit mehr als 17 Jahren Chef des Sportlifestyleunternehmens Puma.
Ein Kurs für Manager bei Daimler schaffte den Durchbruch als Coach jenseits der Klostermauern. An seinem 65. Geburtstag, Anfang 2010, wird der Benediktiner-Pater auf 431 lieferbare Buchtitel zurückblicken. Seine Hauptbegriffe dabei? „Demut, Weisheit und Lebensmitte“, sagt er schüchtern. Doch das nicht wegen katholischer Dogmatik, sondern „aus einer tiefen Gottesfurcht heraus“, schiebt der Alt-68er nach. Diese Begriffe klingen fremd, verstaubt in unserer säkularisierten Gesellschaft. Laut Studien wie dem Religionsmonitor von Bertelsmann, Shell-Jugend oder Sinus-Milieus entdecken wir wieder unsere religiösen Wurzeln. Auch in der Wirtschaftskrise.
Mönche zwischen Betrieb und Klausur
Damals rangen die Mönche um einen neuen Führungsstil. Pater Anselm versuchte das mit dem Studium von C. G. Jung zu verstehen, beschäftigte sich mit dessen Psychologie. „Wollte dann aber schnell zurück zu den christlichen Wurzeln“, sagt Grün.
Sein Ordensbruder Willigis Jäger, ebenfalls Bestseller-Autor, vertritt nach eigenen Angaben eine „transkonfessionelle“ Spiritualität.
Anselm Grün dagegen kommt es auf Jesus Christus, die persönliche Seite Gottes an. Von einem Verschmelzen der Kulturen hält er nichts. Grün erreicht vor allem kirchenfernes Publikum. Er schreibt anders, klar und deutlich – manchmal auch provokativ.
In seinen Büchern zitiert er Worte der Bibel und des Heiligen Benedikts, aber auch Weisheiten der Wüstenväter mit schönen Fotos. Das kommt gut an: Menschen einladen zum Weg, einer Beziehung mit Gott. Die Themen Angst, Depression und Emotion werden die nächsten Jahre immer mehr die Bücherregale füllen.
Warum? Ganz gleich ob die Beziehung zwischen Kindern und Eltern, Eheleuten, Angestellten und Vorgesetzen. In der Bibel (1. Korinther 13) steht bereits geschrieben, dass die Liebe erkalten wird. Statt aber schwarz zu malen steht auch drin, wie wir uns liebenswürdiger verhalten können.
Jesus Christus hat uns vorgelebt, dass Liebe kein frommer Kitsch ist. Frömmigkeit könne eine Beziehungs-Unfähigkeit sogar überspielen, mahnt der Benediktiner-Pater.
Seelsorge, Lebenshilfe und Psychologie
Menschen scheinen sich nach Seelsorge und Lebenshilfe zu sehnen, sonst würden sich seine Bücher nicht wie warme Semmeln verkaufen. Wie verhalten sich Psychologie und Theologie? Die Begegnung mit dem persönlichen und übernatürlichen Gott ist durch nichts zu ersetzen.
Im Gebet schöpfen die Mönche in Klöstern wie Münsterschwarzach nicht nur Ruhe und Zufriedenheit. Auch Ängste und Sorgen kommen zur Sprache. „Depression ist ein innerer Hilfeschrei“, sagt der Pater. Ihre Wurzeln würden meist pathologisiert, nur auf körperliche Ursachen zurückgeführt. Dabei geht es doch um Beziehungen.
Dabei geht es darum, eine echte Work-Life-Balance zu finden. Die Mönche machen das so seit ihrer Gründung. Ihr Motto lautet „ora et labora“, bete und arbeite.
Die Sehnsucht nach Gott, Philosophen nannten es auch die Idee des Guten, sie steckt in jedem von uns. Doch bin ich emotional auch durchlässig? Oder tue ich nur so?



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