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Kernenergie nach Fukushima: Vorbild sein!

Wie wirken die Ereignisse von Fukushima auf Schüler? Wir haben dazu
Nicolas Banholzer (17) befragt.

Ein Kommentar von ihm über Kernenergie. Und das, was er aus dem Supergau von Japan gelernt hat…

Es sind Bilder von körperlich entstellten Kindern. Von Eltern, die durch eine Glasscheibe von ihren Kindern getrennt, um die Gesundheit ihres Sohnes oder ihrer Tochter bangen. Es sind Bilder von den Fukushima 50 auf ihrem wahrscheinlich letzten Weg zur Arbeit. Bilder von verlassenen Geisterstädten. Leer und dunkel.

Das sind die Bilder von Katastrophen und ihren Folgen. Als ein Erdbeben Japan erschütterte und ein Tsunami über das Festland rollte, ahnten nur wenige Japaner, was noch auf sie zukommen sollte. Welche unscheinbare und unsichtbare Katastrophe die Geschehnisse noch für sie bereit hielten.

Radioaktive Strahlung kann zur Schädigung des Erbguts führen

Noch immer tritt in Fukushima radioaktive Strahlung aus, auch wenn das Kühlsystem inzwischen stabilisiert wird. Zuletzt wurde am ersten August ein neuer Strahlungshöchstwert gemessen. Einen Tag später hat die AKW-Betreibergesellschaft Tepco einen Bereich des AKWs gesperrt, da eine für den Menschen in kurzer Zeit tödliche Strahlung gemessen wurde.
Dass radioaktive Strahlung auch in geringerer Dosis gesundheitliche Schäden mit sich bringt, ist mittlerweile unbestreitbar.

Anhand von Statistiken zeigt sich jedoch erst die ganze Dramatik. Laut einer Studie des BfS (Bundesministerium für Strahlenschutz) leiden Kleinkinder weit häufiger an Leukämie, wenn sie sich in näherer Umgebung zu den Kernkraftwerken befinden.

Auch Mütter, die beruflich der radioaktiven Strahlung ausgesetzt sind, bekommen häufiger ein Kind mit angeborener Fehlbildung. Dies ist wohl auch der Grund dafür, dass Tepco vor allem schwangeren Müttern und Kindern in den sogenannten „Hot-Spots“ um Fukushima zur Evakuierung rät.

Seit Asse ein Endlager für radioaktive Abfälle ist, hat auch dort die Anzahl an Schilddrüsenkrebserkrankungen mehr zugenommen, als erwartet.

Ereignisse wie der Super-Gau in Tschernobyl oder die Katastrophe von Fukushima sollten uns immer wieder daran erinnern, auf welchem Pulverfass wir sitzen. Beispielsweise hat sich nach Tschernobyl die Anzahl der Schilddrüsen-krebserkrankungen in manchen Krankenhäusern in der Umgebung verdreißigfacht.


Selbst wenn ein solcher Gau in Deutschland als sehr unwahrscheinlich gilt, das Restrisiko bleibt bestehen. Daher ist es richtig, dass Deutschland die Kurve in der Energiepolitik nun gekriegt und sich auf einen Ausstieg aus der Kernenergie bis Ende 2022 festgelegt hat. Der Weg dahin wird mit viel Kosten und Gerichtsverfahren mit der Kernenergielobby verbunden sein. Doch wenn der Ausstieg gemeistert ist, wird Deutschland ein Vorbild sein für alle Länder, die noch nicht bereit sind, aus der Kernenergie auszusteigen.

„Die größte antreibende Kraft ist nicht der Dampf oder die Atomenergie, sondern der Wille.“ (Albert Einstein) Ein Land muss den ersten Schritt tun. Man darf sich nicht immer unter den Mantel der Allgemeinheit flüchten und abwarten bis ein Konsens in der Energiewende vorherrscht.

Im Gegenteil: Deutschland hat nun die Gelegenheit den Beweis zu erbringen, dass ein Umstieg auf erneuerbare Energien möglich ist. Damit darf aber nicht eine Verletzung der Klimaziele einhergehen. Der Bau neuer Kohlekraftwerke ist der falsche Weg. Es muss weiterhin in die Forschung, Entwicklung und den Ausbau des Stromnetzes und der erneuerbaren Energien investiert werden.

Auch Kernenergie war kein Selbstläufer

Immerhin trägt der Staat ja auch einen großen Anteil dazu bei, dass der Atomstrom so billig war, ist und bleibt. Zwischen den 1950igern und 2006 flossen in die Forschung und Entwicklung der Kernenergie, laut des DIW, 54 Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass der Staat die Kosten der Endlagerung trägt. Nicht zuletzt sind es auch die Länder, die den Polizeieinsatz beim Transport der Castoren bezahlen.

Wohin mit dem Atommüll? Das größte Problem bei der Endlagerung sind jedoch nicht etwa die Kosten, sondern die Endlagerung selbst. Wie man in der unteren Tabelle sieht, strahlen bestimmte Anteile des Atommülls zu lange, als dass man von einem Ort der Endlagerung sagen könnte, er könnte die Strahlung auf ewig in Zaum halten.

Unsere Erde steht nicht still. Die Erdkruste verformt sich, die Platten bewegen sich und das Klima wandelt sich. Es scheint sehr unwahrscheinlich, dass eine Lagerstätte für eine solche Dauer verhindern könnte, dass Radioaktivität austritt.

Es bleibt wohl nur die Möglichkeit den radioaktiven Müll für eine bestimmte Dauer an einem sicheren Ort zu lagern, ehe es kontrollieren gilt, inwieweit der radioaktive Müll noch sicher verwahrt ist.

Außerdem besteht die Frage, welche Stadt oder Gemeinde bereit ist, den Atommüll bei sich zu lagern. Den „günstigen Strom“ wollen alle, nur den Abfall möchte niemand bei sich in der Nähe haben.

Gewinn steht im Mittelpunkt

Solange der Staat die Kernkraft subventioniert hat und nun die Endlagerungskosten trägt, ist die Kernkraft ein äußerst rentables Unterfangen. Ohne diese „Zusatzkosten“ lässt sich der Atomstrom auch als günstiger Strom verkaufen.
Auch bei der Brennelementesteuer ließ es sich ganz gut tricksen:

Kurz vor der Einführung der Steuer fuhr RWE sein KKW Biblis B angeblich wegen eines Turbineschadens herunter und tauschte alle aktuellen Brennelemente aus. Der Clou: Es werden nur alle neu eingesetzten Brennelemente besteuert. Ungefähr 280 Millionen Euro hat RWE damit gespart, was aber nichts daran ändert, dass Strompreiserhöhungen mithilfe der Brennelementesteuer gerechtfertigt werden.

Seit 2002 jährlich Überschüsse von 22 Mrd. KWh.

Damit ist Deutschland in Sachen Stromexport führend. 22 Mrd. KWh entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von sieben Millionen Zwei-Personenhaushalten. Zudem sinkt der Anteil der Kernenergie am Stromverbrauch in Deutschland und liegt momentan ungefähr im Bereich von zehn bis zwölf Prozent. Ein Ausstieg aus der Kernenergie erscheint also auch zahlenmäßig gut machbar.

Wie die Schule die Laufzeitverlängerung beurteilte

Bei einer repräsentativen Umfrage unter zufällig ausgewählten Lehrern und Schüler zeigte sich eine klare Tendenz zu kürzeren Laufzeiten, als der ursprüngliche Beschluss umfasste, wonach die Laufzeiten teilweise auf bis zu 14 Jahre verlängert wurden. Danach sollte z.B. das KKW Brokdorf erst 2036, anstatt 2022 vom Netz gehen.
Keine Kehrtwende mehr. Fortschritt bedeutet Ausstieg.

Eine sofortige Abschaltung aller Kernkraftwerke, wie sie sich manche der Befragten wünschen ist nicht möglich. Eine neue 180°-Drehung, nachdem die Ereignisse von Fukushima in Vergessenheit geraten sind, sollte jedoch ebenfalls ausbleiben.

Die Regierung muss an ihrem neuen Beschluss nun endlich festhalten und den Umstieg auf erneuerbare Energien beschleunigen.

Vor allem die Forschung und der Netzausbau müssen voran getrieben werden, damit mithilfe neuer Technologien der Wirkungsgrad bestehender Wind-, Sonnen- und Wasserkraftanlagen verbessert wird. Ein gelungener Umstieg auf erneuerbare Energien wird sich auf Dauer auszahlen, sowohl im Bereich der Kosten als auch hinsichtlich der Abhängigkeit von Ressourcen und des Risikofaktors.

Nikolaus Banholzer (17): Inspiriert von einer Quarks & Co. Folge vom 26.04.2011 „Die Atom-Ruinen von Tschernobyl und Fukushima, wurde mir erst wirklich bewusst mit welchem Risiko wir Tag für Tag nur Leben.

Die Bilder des Films sowie weitere Bilder aus dem Internet machten mir deutlich, welch katastrophale Folgen auch nur ein einziges solches Ereignis für die Menschheit hat. Egal wo es passiert, ich denke niemand möchte für einen Super-Gau verantwortlich sein und wenn es passiert sind die Schuldigen wir alle, die diese Technologie zu lange toleriert haben.

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